Hand hält ein Herz-geformtes Blatt — Foto: Unsplash
Reflexion

Mehr Herz, weniger Hirn.

10. April 2026 · 2 Min. Lesezeit

Der Kopf ist gut darin, Probleme zu finden. Nicht immer gut darin, sie zu lösen. Manchmal ist das Bauchgefühl die bessere Grundlage für eine Entscheidung.


Ich habe gelernt, meinem Bauch zu vertrauen. Nicht blind — aber mehr als früher. Und je mehr ich das tue, desto öfter stelle ich fest: die erste Entscheidung, die sich richtig angefühlt hat, war meistens die richtige. Der Kopf kommt danach und erklärt warum. Oder erklärt warum nicht — und liegt trotzdem falsch.

Das klingt unwissenschaftlich. Vielleicht ist es das auch. Aber Glück ist selten das Ergebnis einer Tabellenkalkulation.

Wenn Wissen im Weg steht

Wissen ist gut — es ist wichtig. Aber Wissen kann auch im Weg stehen.

Manchmal weiß man zu viel über ein Risiko, zu viel über mögliche Fehler, zu viel darüber was alles schiefgehen könnte — und entscheidet dann gar nicht. Oder entscheidet das Sichere, das Berechenbare, das Vernünftige. Und verpasst dabei etwas, das sich einfach richtig angefühlt hätte.

Das Herz kennt keine Tabelle. Aber es kennt manchmal den Weg.

Wenn aus Kunden Freunde werden

Das gilt beruflich genauso wie privat. Ich merke es besonders in der Arbeit mit Kunden.

Denn die meisten meiner Kunden sind keine Auftraggeber — sie fühlen sich irgendwann wie Freunde an. Wir pflegen einen freundschaftlichen Umgang, reden nicht nur über Projekte, kennen uns als Menschen. Das ist keine Strategie. Das ist einfach wie es sich entwickelt, wenn man aufhört, ausschließlich professionell zu denken — und anfängt, menschlich zu sein.

Dabei bedeutet eine Entscheidung mit Bauchgefühl nicht, unüberlegt zu handeln. Es bedeutet, dem zu vertrauen was man über die Jahre gelernt hat — ohne es jedes Mal neu berechnen zu müssen.


Ich wünschte, ich hätte das früher verstanden. Dass nicht alles analysiert werden muss. Und dass man nicht immer Recht haben muss, um richtig zu liegen. Außerdem: die klügste Entscheidung ist manchmal die, die sich einfach gut anfühlt.

Mehr Herz, weniger Hirn. Nicht als Gegensatz — sondern als Gewichtung.

Das Bauchgefühl hat auch viel mit Vertrauen in die eigene erste Idee zu tun — dazu passend: Verschlimmbessern. Wer sich tiefer mit Entscheidungspsychologie beschäftigen möchte, findet bei Wikipedia zum Thema Intuition einen guten Einstieg.