Notizbuch mit Stift — Foto: Unsplash
Haltung

Verschlimmbessern.

28. März 2026 · 2 Min. Lesezeit

Es gibt ein deutsches Wort für alles: Verschlimmbessern. Dieses hier trifft mich persönlich.

Ich bin oft mein eigener schlimmster Kunde. Nicht weil ich keinen Geschmack hätte — sondern weil ich einen habe. Und weil ich irgendwann anfange, ihn auf etwas anzuwenden, das eigentlich schon fertig ist.

Die erste Idee

Die erste Idee ist meistens die beste. Das klingt wie ein Klischee. Es ist aber eine Erfahrung, die ich mir über 25 Jahre erarbeitet habe — beruflich und privat. Die erste Skizze, der erste Entwurf, das erste Konzept trägt noch etwas Unverbrauchtes in sich. Es ist direkt. Es hat Instinkt.

Und dann fange ich an, daran zu arbeiten.

Runde zwei ist meistens noch gut. Runde drei schon etwas zäher. Ab Runde vier optimiere ich Details, die niemand außer mir bemerkt — und verliere dabei das Gefühl für das Ganze. Was am Anfang leicht und klar war, wird schwer und kompliziert. Nicht weil es besser wird. Sondern weil ich nicht aufgehört habe.

Das passiert mir bei Kundenprojekten. Es passiert mir bei Projekten zuhause. Es passiert mir beim Kochen, wenn ich ein Rezept „noch etwas verfeinere“ und dann etwas esse, das gut gemeint aber irgendwie nicht mehr es selbst ist.


Kunden wollen oft Alternativen. Das ist ihr gutes Recht — und manchmal führen die Alternativen tatsächlich irgendwohin. Aber ich kenne das Ende dieser Geschichten meistens schon: wir schauen uns drei Varianten an, diskutieren, zweifeln — und landen am Ende bei der ersten Idee. Ein bisschen müder, ein bisschen teurer, und mit dem leisen Gefühl, dass wir uns das hätten sparen können.

Der Punkt ist nicht, dass Feedback falsch ist. Feedback ist wichtig. Auf Stimmen von außen zu hören ist wichtig. Manchmal sieht jemand anderes etwas, das ich nicht sehe.

Aber es gibt einen Unterschied zwischen Feedback einarbeiten und Endlosschleifen. Den Punkt zu kennen, wo man fertig ist — das ist eine Fähigkeit. Und ich übe sie noch.

Was hilft

Was hilft: Abstand. Etwas fertigstellen, loslassen, einen Tag nicht anschauen. Dann nochmal draufschauen — mit frischen Augen statt mit dem Tunnelblick des Machers.

Und manchmal hilft es, sich selbst eine einfache Frage zu stellen: Verbessere ich das gerade wirklich — oder mache ich es nur anders?

Meistens kenne ich die Antwort. Ich muss nur aufhören, sie zu ignorieren.


Das Gegenteil von Verschlimmbessern ist loslegen — und dazu habe ich in Nicht labern, machen geschrieben. Das Wort selbst hat übrigens einen eigenen Eintrag im Wiktionary — weil es so treffend ist, dass die Welt es kennen sollte.

Tags: