AgenturReflexion

Warum ich meine eigenen Projekte nicht zeige

26. September 2026 · 3 Min. Lesezeit

Ich tue mich schwer damit, Referenzen zu veröffentlichen. Auf der Website von bipulse.studio, auf LinkedIn, überall dort, wo ich eigentlich zeigen könnte, was wir machen. Für ein Studio, das von seiner Arbeit lebt, ist das unpraktisch. Trotzdem ist es ehrlich. Ich will Referenzen veröffentlichen, seit Jahren nehme ich mir das vor, und trotzdem passiert es kaum.

Was mich beim Referenzen veröffentlichen bremst

Zwei Dinge stehen mir im Weg. Das eine ist mein Perfektionismus. Ein Projekt, das ich zeige, muss aus meiner Sicht rund sein: das Ergebnis, aber auch die Geschichte drumherum, die Bilder, der Text. Das dauert. Und wenn es dann doch nicht perfekt ist, verschiebe ich es lieber, als es halbfertig rauszuschicken.

Das andere ist der Aufwand. Bevor ich ein Projekt zeigen kann, brauche ich meistens eine Freigabe vom Kunden. Das klingt nach einer E-Mail. Ist es aber selten. Manche Kunden antworten wochenlang nicht, andere wollen erst den Text gegenlesen, wieder andere sagen am Ende trotzdem nein. Danach ist die Motivation meistens weg, und das Projekt landet in einem Ordner, den keiner mehr anschaut.

Vertraulichkeit ist bei mir kein Vorwand

Bei einem Teil meiner Kunden kommt noch etwas dazu, das ich nicht einfach wegdiskutieren kann. Viele meiner Projekte sind vertraulich. Besonders die, die ich für Kunden aus dem medizinischen und dem Pharmabereich kreiere, sind hochsensibel. Das ist kein Geschmacksthema, keine Eitelkeit. Das sind Zulassungen, Wettbewerbsrecht, Dinge, die einfach nicht nach draußen dürfen, bevor sie offiziell sind. Diese Projekte kann ich gar nicht zeigen, egal wie stolz ich darauf bin.

Das Problem ist: Diese Zurückhaltung überträgt sich auf alles andere. Ich gewöhne mir eine Grundhaltung an, bei der ich lieber nichts zeige als etwas Falsches. Und dann poste ich am Ende auch die Projekte nicht, bei denen eine Freigabe locker möglich wäre, weil ich in derselben vorsichtigen Haltung stecken bleibe.

Was mein Umfeld dazu sagt

In meinem Umfeld gibt es ein paar Creator und Werber, die mir das regelmäßig spiegeln. Sie sagen mir, ich würde zu wenig Präsenz zeigen und viel öfter Referenzen veröffentlichen sollen. Ihr Argument: Es muss nicht alles perfekt sein, aber erst mal online sein, damit ich mich überhaupt ausprobieren kann. Ehrlich gesagt haben sie damit recht. Trotzdem fällt es mir schwer, danach zu handeln.

Das hat auch damit zu tun, wie ich generell mit Sichtbarkeit umgehe. Ich habe an anderer Stelle schon geschrieben, warum ich lieber einen Avatar nutze als ein Foto von mir (Warum ich einen Avatar nutze und kein Foto). Es ist ein ähnliches Muster. Ich zeige lieber etwas Kontrolliertes als mich selbst ungefiltert. Bei Projekten ist das genauso. Lieber die fertige, abgesegnete Version als der ehrliche Zwischenstand.

Der Widerspruch, den ich nicht wegreden kann

Als Creative Director erzähle ich Kunden und Studierenden ständig, wie wichtig Sichtbarkeit ist. Zeig deine Arbeit. Trau dich, auch unfertige Dinge zu teilen. Das predige ich an der Zuyd Hogeschool genauso wie im Kundengespräch. Und dann sitze ich selbst auf einem Ordner voller Projekte, die ich nie veröffentlicht habe.

Das ist kein Widerspruch, den ich schönreden will. Er ist einfach da. Ich habe darüber auch schon in einem anderen Zusammenhang geschrieben, in Unsichtbar., und ich merke, dass sich das Thema wiederholt. Vielleicht ist es bei mir kein einmaliges Problem, sondern eine Grundtendenz.

Was ich am liebsten zeigen würde, weiß ich genau. Es gibt Projekte in meinem Portfolio, auf die ich richtig stolz bin, gerade weil sie handwerklich und konzeptionell viel Arbeit gemacht haben. Aber genau die liegen oft bei Kunden, bei denen eine Freigabe kompliziert ist, oder sie sind vertraulich. Das ist frustrierend. Ich sitze auf guter Arbeit und kann sie nicht zeigen, während ich gleichzeitig weiß, dass Sichtbarkeit meinem Studio guttäte.

Eine Lösung habe ich noch nicht. Aber ich glaube, ich muss weniger an der Perfektion arbeiten und mehr daran, einfach öfter Referenzen zu veröffentlichen, auch wenn es unperfekt ist. Freigaben früher einholen, direkt nach Projektabschluss, solange die Begeisterung beim Kunden noch da ist. Und mich selbst daran erinnern: ein halbfertiger Post ist besser als gar keiner. Meine Freunde aus der Creator-Szene würden jetzt sagen: Genau das habe ich euch die ganze Zeit gesagt.