Was ist eigentlich ein Experte? Ich stolpere über diese Frage ständig, bei mir selbst und bei anderen. Der Begriff klingt erstmal nach etwas Gutem, nach Kompetenz, nach Vertrauen. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto weniger mag ich ihn. Ehrlich gesagt, ich würde mich selbst nie Experte nennen.
Ein Experte sein heißt für mich, besser zu sein als viele oder alle anderen. Das ist eine ziemlich steile Behauptung, gerade in einem Bereich wie meinem. Als Creative Director bei bipulse.studio arbeite ich mit Tools und Methoden, die sich alle paar Monate verschieben. Was letztes Jahr Expertise war, kann heute schon veraltet sein. Expertenstatus ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann behält. Es ist eher ein dynamischer Begriff, der ständig neu verhandelt werden müsste, und das macht ihn für mich fragwürdig.
Was ist eigentlich ein Experte?
Die Frage treibt mich um, weil der Begriff so inflationär benutzt wird. Jeder ist heute Experte für irgendwas, auf LinkedIn, in Pitches, in Bewerbungen. Und wer entscheidet eigentlich, ob das stimmt? Braucht man ein Zertifikat? Reicht es, sich selbst so zu nennen? Ich habe darauf keine saubere Antwort gefunden, nur die Beobachtung, dass der Begriff dadurch ziemlich abgenutzt wirkt. Wenn alle Experten sind, ist das Wort praktisch bedeutungslos geworden.
Warum mir Professional lieber ist
Professional würde für mich etwas anderes bedeuten. Nicht, dass man an der Spitze steht, sondern dass man konstant in einem Bereich arbeitet. Man bleibt dran, man ist permanent Anwender, auch wenn man nie an den Punkt kommt, wo man alles weiß. Das beschreibt meine Arbeit viel ehrlicher als der Expertenbegriff. Ich arbeite seit 2001 im Studio, aber das macht mich nicht zum Experten für alles, was dort passiert. Es macht mich zu jemandem, der dranbleibt, der sich immer wieder neu einarbeitet, wenn sich die Werkzeuge ändern. Genau das beschreibe ich auch in Prompt Design ist das neue Briefing, wo sich mein Workflow quasi laufend neu zusammensetzt, weil sich die Tools schneller entwickeln, als ich mich an sie gewöhnen kann.
Weiterbildung statt Titel
Für mich ist Weiterbildung der eigentliche Schlüssel, nicht ein Titel, den man sich einmal verdient und dann für immer trägt. Das merke ich auch als Dozent an der Zuyd Hogeschool. Meine Studierenden erwarten von mir keine fertigen Antworten, die für alle Zeit gelten. Sie merken sofort, wenn ich etwas nicht weiß, und das ist in Ordnung. Ich sage dann auch, dass ich es nicht weiß, und wir finden es gemeinsam heraus. Das würde nicht funktionieren, wenn ich mich als Experte inszenieren würde, der über allem steht. Es funktioniert eher, weil ich mich als jemand zeige, der genauso lernt wie sie, nur mit ein paar Jahren mehr Erfahrung im Rücken.
Wer entscheidet, wer Experte ist
Am Ende bleibt bei mir die Frage offen, wer den Expertenstatus überhaupt vergeben dürfte. Ein Zertifikat fühlt sich zu starr an für einen Bereich, der sich laufend verändert. Eine Selbsternennung fühlt sich zu beliebig an. Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich den Begriff nicht mag. Er tut so, als gäbe es einen festen Zustand, den man erreichen kann, während meine Realität eher aus ständigem Nachjustieren besteht.
Ich sage inzwischen lieber, dass ich mich mit etwas gut auskenne, aber auch nur für den Moment. Das ist weniger beeindruckend als Experte, aber es ist ehrlicher. Und ehrlich gesagt reicht mir das.