HaltungReflexion

Warum ich nie nur einen Job hatte

29. September 2026 · 3 Min. Lesezeit

Ich habe nie nur einen Job gehabt. Seit 2001 leite ich bipulse.studio, seit einer Weile unterrichte ich an der Zuyd Hogeschool, und irgendwann habe ich das Urban Golf Collective gegründet. Wenn Leute mich fragen, was ich beruflich mache, gebe ich selten eine einzeilige Antwort. Mehrere Rollen gleichzeitig zu haben, ist für mich normal. Ob das klug ist, frage ich mich trotzdem regelmäßig.

Was mehrere Rollen gleichzeitig eigentlich bedeutet

Creative Director, Dozent, Gründer eines Kollektivs für Urban Golf. Auf dem Papier klingt das nach drei getrennten Leben. In der Praxis läuft es eher parallel, manchmal am selben Tag. Vormittags eine Kundenpräsentation für bipulse.studio, nachmittags eine Vorlesung vorbereiten, abends eine Nachricht ans Urban Golf Collective schreiben, weil wieder ein Termin organisiert werden muss. Das ist kein durchgeplanter Wechsel zwischen Hüten. Es ist eher ein Nebeneinander, das ich mir irgendwann angewöhnt habe und das inzwischen einfach zu mir gehört.

Ich habe darüber schon in Scanner oder ADHS? Die Grenze verschwimmt geschrieben. Diese Frage stelle ich mir bei mir selbst öfter, als mir lieb ist. Bin ich jemand, der viele Interessen hat und deshalb viele Rollen braucht? Oder ist es eher ein Muster, bei dem ich mich nirgendwo lange genug festhalte? Eine klare Antwort habe ich nicht. Beides fühlt sich manchmal gleichzeitig wahr an.

Warum ich nicht einfach eins davon aufgebe

Der naheliegende Rat wäre: konzentrier dich auf eine Sache, mach die richtig, lass den Rest. Ich höre den Rat, ehrlich gesagt öfter als mir lieb ist. Trotzdem funktioniert das bei mir nicht so einfach. Jede der drei Rollen gibt mir etwas, das die anderen beiden nicht geben.

Das Studio ist mein wirtschaftliches Fundament, aber auch der Ort, an dem ich seit über zwanzig Jahren gestalterisch arbeite. Die Lehre an der Zuyd Hogeschool bringt mich in direkten Kontakt mit einer Generation, die ganz anders an Arbeit und Technologie herangeht als ich. Was das mit mir macht, habe ich in Was meine Studierenden mir beibringen beschrieben. Und das Urban Golf Collective ist das Gegenteil von beidem: kein Kunde, kein Lehrplan, einfach eine Idee, die ich mit anderen Leuten umsetze, weil sie Spaß macht.

Würde ich eins davon streichen, würde ich nicht automatisch mehr Zeit für die anderen beiden gewinnen. Ich würde eher etwas verlieren, das mir irgendwie wichtig geworden ist.

Der Preis, den mehrere Rollen gleichzeitig haben

Ganz ohne Kosten geht das nicht. Wer mehrere Rollen gleichzeitig hat, hat auch mehrmals Verantwortung, mehrmals Termine, mehrmals Menschen, die etwas von einem erwarten. Ich habe in Qualität vor Wachstum schon geschrieben, dass ich bewusst nicht wachsen will, gerade weil ich weiß, wie schnell sich Mengen an Verpflichtungen aufaddieren, wenn man nicht aufpasst. Das gilt für das Studio genauso wie für die Summe meiner Rollen insgesamt.

Manchmal merke ich das an ganz banalen Dingen. Ein Tag, an dem ich zwischen einer Kundenbesprechung, einer Vorbereitung für den Unterricht und einer Abstimmung fürs Urban Golf Collective hin und her springe, fühlt sich am Ende nicht produktiv an, sondern zerfasert. Dann frage ich mich schon, ob ich mir das selbst schwerer mache, als es sein müsste.

Was ich daraus mitnehme

Eine fertige Lösung habe ich nicht, und ich glaube auch nicht, dass es eine gibt, die für immer hält. Was mir hilft, ist eher, die drei Rollen bewusst getrennt zu halten, statt sie ständig zu vermischen. Wenn ich unterrichte, will ich wirklich unterrichten, nicht nebenbei an einem Kundenprojekt denken. Wenn ich fürs Studio arbeite, will ich da ganz sein. Das gelingt mir nicht immer, aber öfter, seit ich es mir bewusst vornehme.

Ich glaube auch, dass mehrere Rollen gleichzeitig kein Widerspruch zu Fokus sein müssen. Fokus heißt bei mir nicht, nur eine Sache zu haben. Es heißt, in dem Moment, in dem ich etwas mache, wirklich dabei zu sein. Das ist ein Unterschied, der mir erst über die Jahre klar geworden ist, und den ich Studierenden inzwischen genauso erkläre wie mir selbst.

Ob ich in zehn Jahren immer noch drei Rollen gleichzeitig habe, weiß ich nicht. Vielleicht wird eine davon größer, eine andere kleiner. Im Moment fühlt es sich richtig an, so wie es ist, auch wenn es an manchen Tagen mehr Kraft kostet, als ich zugeben will.